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Sauerteig

Sauerteig meistern wie ein Profi: Ansetzen, führen, pflegen & richtig backen
(mit Rezepten & Praxis-Tipps)

In diesem ausführlichen Guide bekommst du alles, was du brauchst:

✅ Sauerteig selber ansetzen (Schritt-für-Schritt)
✅ Sauerteig richtig pflegen & auffrischen
✅ Weizen- und Roggensauerteige steuern (mild vs. kräftig)
✅ Praxis-Rezepte aus der Profi-Umsetzung
✅ Rettungsstrategien & Haltbarmachen
✅ Hefewasser als Alternative
✅ clevere Resteverwertung
✅ plus: Ausrüstungstipps

Was macht ein Brot „richtig gut“?

Bevor wir über Sauerteig sprechen, lohnt ein kurzer Blick auf die Qualitätsmerkmale – denn genau da spielt Sauerteig später seine Stärken aus.

Gutes Brot erkennst du an:

  • schöner Form & Kruste (gleichmäßig gebräunt, appetitlich)
  • knuspriger Kruste, die beim Schneiden leise kracht
  • saftiger Krume, die elastisch ist und nicht trocken wirkt
  • angenehmem Duft – ein Brot sollte nicht stark nach Hefe riechen (das wäre oft ein Zeichen für zu wenig Fermentation)
  • Geschmack, der sich beim Kauen entfaltet und „Lust auf mehr“ macht
  • guten Zutaten, idealerweise aus sauberer Wertschöpfungskette (Bio, regionale Mühle – wenn möglich)

Diese Ausrüstung brauchst du fürs Sauerteig-Backen wirklich:

Du musst nicht sofort alles kaufen – aber ein paar Basics machen das Backen deutlich entspannter.

  • Waage + Feinwaage
  • starre & flexible Teigkarte
  • Thermometer (wichtig!)
  • Schüsseln/Teigwanne + Abdeckhauben (oder Folie/Deckel)
  • Gärkörbchen
  • Kastenform
  • Backpapier oder Dauerbackfolie
  • Messer/Klinge zum Einschneiden
  • optional: Knetmaschine
  • optional: Backstein + Dampfwerkzeug
  • verschließbare Gläser fürs Anstellgut 

 

Der wichtigste Gamechanger: Temperatursteuerung (28–30 °C!)

Beim Sauerteig ist Temperatur der große Schlüssel. Die Angaben beziehen sich auf eine Sauerteigreife von 28–30 °C. Wenn du bei Raumtemperatur arbeitest, läuft alles – aber langsamer.

 

So triffst du die richtige Starttemperatur:

Wenn dein Mehl etwa 20 °C hat und du gleiche Teile Wasser/Mehl mischst, sollte das Wasser ungefähr 40 °C warm sein, um im Teig bei ca. 28–30 °C zu landen. Ein Thermometer ist hier wirklich Gold wert. �

So hältst du die Temperatur während der Reifezeit stabil:

  • Glas in eine Decke wickeln
  • isolierte Box + ggf. warmes Wasser in Flasche dazu
  • temperiertes Wasserbad
  • Backofen mit eingeschaltetem Licht
  • Heizmatte + Thermostat in einer Box (sehr präzise) 

Sauerteig selber machen: In 5 Schritten zum Anstellgut

 Hier kommt die klassische Aufbau-Methode für einen Roggensauerteig. Das Prinzip funktioniert später auch für andere Mehlsorten.

Schritt 1
50 g Wasser + 50 g Roggenvollkornmehl
→ mischen und 24 Stunden bei ca. 28 °C reifen lassen (idealerweise in einem hohen, schmalen Glas). 

Schritt 2
Wenn erste Bläschen auftauchen (Geruch noch unangenehm, noch nicht „sauer“):
Ansatz aus Schritt 1 + 50 g Wasser + 50 g Roggenvollkornmehl
→ 8–10 Stunden bei 28 °C reifen lassen. 

Schritt 3
Wenn sich das Volumen sichtbar vergrößert/verdoppelt:
50 g Wasser + 50 g Roggenvollkornmehl + 50 g Ansatz aus Schritt 2
→ neues Glas nehmen, 4 Stunden bei 28 °C reifen lassen. 

Schritt 4
Wenn Bläschen gut sichtbar sind:
50 g Wasser + 50 g Roggenvollkornmehl + 50 g Ansatz aus Schritt 3
→ 2–3 Stunden bei 28 °C reifen lassen, bis er sich gut vergrößert und leicht wölbt (nicht eingefallen!). �

Schritt 5
Wenn Geruch jetzt klar „säuerlich“ ist und die Aktivität stabil wirkt:
50 g Wasser + 50 g Mehl + 5–10 g Ansatz aus Schritt 4
→ 6–8 Stunden bei 28 °C reifen lassen, dann ab in den Kühlschrank.

Spätestens nach 1 Woche auffrischen. 

Ein Sauerteig kann recht früh eingesetzt werden – aber volle Triebkraft erreicht er oft erst nach vielen Fütterungen. Es kann 20–40 Auffrischungen dauern , bis er „erwachsen“ ist. 

Praxis-Test:
Wenn du 5 g Anstellgut auf je 50 g Mehl + 50 g Wasser fütterst, sollte er bei ca. 30 °C in 6–8 Stunden sein Volumen verdoppeln. 

👉 Wenn dein Sauerteig noch jung ist, darfst du ihn beim Backen notfalls mit minimal Frischhefe unterstützen.
Richtwert: ca. 0,25 % auf die Gesamtmehlmenge, kommt in den Hauptteig.

Sauerteig pflegen: 2 Methoden, die wirklich funktionieren

1) Traditionell (wenn du oft dasselbe backst)

Du setzt eine größere Menge an (z. B. 30 g Anstellgut + 300 g Wasser + 300 g Mehl) und nimmst am nächsten Tag wieder einen Teil ab, um weiterzuführen. Vorteil: kein Überschuss, sehr konstant.

2) Die „sichere Alltags-Variante“ (1× pro Woche auffrischen)

Ideal, wenn du flexibel bleiben willst und trotzdem immer aktiven Sauerteig verfügbar haben möchtest.

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